Kalender
Programm
Mit Ausstellungen, Gesprächen, Lesungen, Filmen und Bildungsangeboten schafft unser Programm Räume für Begegnung, Austausch und neue Perspektiven. Verschiedene Programmreihen verbinden die Geschichte des Exils 1933–1945 mit Fragen unserer Zeit und laden dazu ein, über Demokratie, Zugehörigkeit und gesellschaftlichen Zusammenhalt nachzudenken.
Embassies of Exile

Das Leben im Exil ist immer mit mindestens zwei Ländern verbunden. Diese internationale Perspektive prägt das Exilmuseum. Für das Programm "Embassies of Exile" arbeitet es mit Botschaften im In- und Ausland zusammen. So entstehen neue Partnerschaften und ein weltweites Netzwerk.

Im Fokus der Reihe stehen weitgehend unbeachtete Persönlichkeiten aus Kunst, Literatur und Wissenschaft, die im jeweiligen Partnerland Zuflucht vor den Nationalsozialisten fanden. Jede Veranstaltung wird individuell konzipiert, sei es als Vortrag, Lesung, Konzert, Filmvorführung oder Gespräch mit Nachfahren.
Die Veranstaltungen finden an verschiedenen Orten im In- und Ausland statt: in den Botschaften selbst, in Kulturinstitutionen, akademischen Einrichtungen oder auch im Exilmuseum.

Das Programm wurde entwickelt von Ruth Ur und Thomas Sparr. Es wird gefördert von der Berthold Leibinger Stiftung.

Bildung und Vermittlung

Das Exilmuseum versteht Vermittlungsarbeit als eine seiner zentralen Aufgaben und als wesentlichen Teil seiner gesellschaftlichen Verantwortung. Ausgehend von den Erfahrungen der Menschen, die zwischen 1933 und 1945 vor dem Nationalsozialismus aus Deutschland flohen, eröffnet das Museum Räume für historisches Lernen, kritische Auseinandersetzung und gemeinsame Reflexion der Gegenwart.

Unsere Bildungs- und Vermittlungsangebote richten sich an Personen aller Altersgruppen, mit unterschiedlichen Erfahrungen und Perspektiven. Workshops, Führungen und partizipative Formate schaffen Möglichkeiten, Wissen zu erwerben, Fragen zu entwickeln und miteinander ins Gespräch zu kommen. Das Bildungsprogramm wird kontinuierlich ausgebaut und weiterentwickelt.

An der Ruine

Die Stiftung Exilmuseum startete 2025 an der Portalruine des historischen Anhalter Bahnhofs eine neue Ausstellungsreihe mit künstlerischen Installationen, die sich mit dem Ort und seiner Geschichte auseinandersetzen und zugleich den Exilbegriff aus der Geschichte in die Gegenwart überführen. Mit den Projekten soll der Anhalter Bahnhof als lebendiger Erinnerungs- und Kulturort gestärkt werden.

Die Reihe wird freundlich unterstützt von der Deutschen Bahn AG und der Heinz
und Heide Dürr Stiftung.

Ein Fenster ist genug für mich

von Fariba Vafi

Ein Fenster ist das Auge jedes Hauses und durch die Pupille dieses Auges blicke ich hinaus auf die Fasanenstraße. Vom Fenster aus erscheint die Straße ruhig, nichts ahnend von ihrer Vergangenheit. Ein Juwelier drapiert sorgfältig seine Schmuckstücke im Schaufenster, nacheinander gehen die Lichter in den Boutiquen an. Menschen kommen und gehen, Autos fahren vorbei. Auf den ersten Blick können Passant:innen nicht wissen, wer diese Straße entlanggegangen ist, wer von hier deportiert wurde und wer niemals zurückkehrte.

Jetzt stehe ich am Fenster, das zur Straße hinausgeht. Am Fenster zu stehen und hinauszuschauen war für mich schon immer eine der einfachen kostenlosen Freuden des Lebens. Vielleicht erinnere ich mich deshalb auch an so viele Fenster in meinem Leben. Von manchen Fenstern aus sah ich nur Mauern, von anderen aus einen Winkel des Hofes oder ein kleines Stückchen Himmel. Allmählich verstand ich, dass Fenster, ähnlich wie Menschen, unterschiedliche Fähigkeiten besitzen. Manche Fenster können, ähnlich wie manche Augen, besser sehen. Sie sind großzügiger und bieten einem mehr von der Welt: Bewegung, Leben, Verbindung und Erinnerung.

So wie das, an dem ich gerade stehe. Übrigens, wem gehört eigentlich das goldene Gesicht, das am Gebäude gegenüber angebracht ist? Jenes mit der Inschrift: „Sinnlos ist das Leben ohne Heimat“. Ah! Jetzt erkenne ich, es gehört Essad Bey. Ein Mann, der aus Baku kam. Der in Berlin seinen Namen änderte. Der unter seinem neuen Namen einen Roman über eine Liebe schrieb, die durch den Krieg auseinandergerissen wurde. Jahre später starb er fern der Heimat in Italien. Ein Stück weiter steht das Haus, in dem einst ein bedeutender iranischer Intellektueller lebte, Tagi Erani. Ein Mann der später in den Iran zurückkehrte und im Gefängnis starb. Ein Mann, in dessen Büchern ich während meiner Jugend nach einem neuen, auf Gerechtigkeit ausgerichteten Ideal gesucht hatte.

Jeder Pflasterstein dieser Straße ist mit unzähligen Leben und Geschichten verwoben. Mit Geschichten, die sich von denen meiner Heimat unterscheiden. Und doch kann sie zugleich mein inneres Gedächtnis wecken: ein Gedächtnis voller nicht errichteter Museen, nicht aufgezeichneter Geschichten, namenloser Vertriebener, unbekannter Frauen und Mädchen, die aus Raum und Zeit geworfen wurden.

Ein Fenster ist genug für mich.
Ein Fenster für den Augenblick der Einsicht, des Schauens und des Schweigens*

 

*aus dem Gedicht „Ein Fenster“ der berühmten iranischen Dichterin Forugh Farrochsād

A window is the eye of every house, and through the pupil of this eye I look out onto Fasanenstrasse. From behind this window, the street appears quiet, unaware of its own past. The jeweller carefully arranges his jewellery behind the shop window. The lights of the boutiques come on, one by one. People come and go; cars pass. At first glance, a passer-by could never know who once walked along this street, who was driven away from it, and who never returned.

Now I am standing behind the window overlooking the street. Standing at a window and watching has always been one of the simple, free pleasures of mine. Perhaps that is why I remember so many of the windows of my life. From some, there was nothing but a wall; from others, a corner of a courtyard, or a small patch of sky. Gradually, I came to understand that windows, like people, have different capacities. Some windows, just like some eyes, see further. They are more generous, they have more of the world to offer you: movement, life, connection, memory.

Like this one, the one I am standing behind now. And come to think of it, whose is that golden face mounted on the building opposite? The one beneath which these words are inscribed: Life without a homeland has no meaning. Ah! Now I know Essad Bey. The man who came from Baku. In Berlin, he changed his name. Under his new name, he wrote a novel about a love torn apart by war, and years later, far from home, he died in Italy. A little further along stands the house where a celebrated Iranian intellectual once lived, Tagi Erani. He would eventually return to Iran, only to die in prison. As a young woman, I searched among the words of his books for a new ideal, for the promise of justice.

This street is woven, brick by brick, with dozens of stories and lives—stories different from those of my homeland. And yet, somehow, it can awaken my own inner memory too: a memory filled with museums that were never built. Stories that were never recorded. Forgotten exiles. Unknown women. Girls cast adrift from their time and place.

One window is enough for me.
A window onto a moment of awareness, of looking, and of silence.*

*Forough Farrokhzad, renowned Iranian poet

پنجره چشم هر خانه‌ای است و من از مردمک این چشم به خیابان فازانن‌اشتراسه نگاه می‌کنم. از پشت این پنجره، خیابان آرام و بی‌خبر از گذشته‌اش به نظر می‌رسد. طلافروش جواهراتش را با دقت پشت ویترین می‌چیند. چراغ بوتیک‌ها یکی‌یکی روشن می‌شوند. آدم‌ها می‌آیند و می‌روند، ماشین‌ها عبور می‌کنند. رهگذر در نگاه اول نمی‌تواند بداند چه کسانی از این خیابان گذشته‌اند، چه کسانی از آن رانده شده‌اند و چه کسانی دیگر هرگز به آن بازنگشته‌اند.

حالا من پشت پنجره مشرف به خیابان ایستاده‌ام. ایستادن پشت پنجره و تماشا کردن همواره از لذت‌های ساده و رایگان زندگی من بوده. شاید برای همین هم بیشتر پنجره‌های زندگی‌ام را به یاد دارم. از پشت بعضی پنجره‌ها فقط دیواری دیده می‌شد، از بعضی دیگر گوشه‌ای از حیاط، یا تکه کوچکی از آسمان. آرام‌آرام فهمیدم پنجره‌ها هم مثل آدم‌ها ظرفیت‌های متفاوتی دارند. بعضی پنجره‌ها درست مثل بعضی چشم‌ها بینایی بیشتری دارند. سخاوتمندترند و چیزهای بیشتری از دنیا برای عرضه به تو دارند. حرکت، زندگی، رابطه، حافظه.

مثل این یکی که پشتش ایستاده‌ام؛ راستی‌ آن چهره طلایی نصب شده در ساختمان روبرو مال چه کسی است؟ همانی که زیر لوحش نوشته‌ شده، زندگی بدون وطن معنی ندارد؟ آه! حالا دیگر اسد بی‌ را می‌شناسم. مردی که از باکو آمد. در برلین نامش را عوض کرد. با نام تازه‌اش رمانی در باره عشقی که جنگ از هم پاشید نوشت و سال‌ها بعد دور از خانه در ایتالیا درگذشت. کمی آن طرف‌تر خانه‌ای است که روشنفکر معروف ایرانی در آن زندگی می‌کرده است. بعدها به ایران برمی‌گردد و در زندان می‌میرد. مردی که در جوانی‌ام، لابلای کلمات کتاب‌هایش دنبال آرمانی نو و عدالت‌طلبانه می‌گشتم.

این خیابان آجر به آجرش با ده‌ها قصه و زندگی درآمیخته، قصه‌هایی متفاوت از قصه‌های سرزمین من. اما انگار می‌تواند همزمان حافظه درونی‌ام را نیز بیدار کند; حافظه‌ای پر از موزه‌های برپا نشده. قصه‌های ثبت‌نشده. تبعیدی‌های گمنام. زن‌های ناشناس. دخترهای پرت‌شده از زمان و مکان.

یک پنجره برای من کافی است.
یک پنجره به لحظه‌ی آگاهی و نگاه و سکوت*

 

*  شعراز فروغ فرخزاد شاعر معروف ایرانی

Foto: Dirk Skiba

Fariba Vafi wurde 1963 in Täbris, Iran, geboren. Ihr Debütroman „Parande-ye-man“ (2002, dt. „Kellervogel“, Rotbuch 2013) erschien im Iran in 40 Auflagen und wurde in mehr als zehn Sprachen übersetzt. Es folgten sieben weitere Romane. Auf Deutsch erschienen „Tarlan“ (2015) und „Der Traum von Tibet“ (2018). Seit 1986 veröffentlichte sie zudem fünf Kurzgeschichten-Sammlungen. Ihre Werke erschienen in internationalen Anthologien und wurden vielfach ausgezeichnet. 2020–2022 war sie Stipendiatin des DAAD- und des Heinrich-Böll-Residenzprogramms in Berlin. Sie lebt in Berlin, ist Mitglied der Iranian Writers‘ Association und des PEN-Zentrums Deutschland und ist Teil des Netzwerks „Weiter Schreiben“.