Sprache als Identität. Sprache als Widerstand. Sprache als Emanzipation. Sprache als Zuhause. Auch als künstlerisches. Doch was, wenn man sein Zuhause verlassen muss?
1940 gelang der Dichterin und Jüdin Nelly Sachs in letzter Sekunde die Flucht von Berlin nach Stockholm. Im selben Jahr kam Peter Weiss in die schwedische Hauptstadt. Für beide war die deutsche Sprache auch ein künstlerisches Zuhause. Wie verhielten sie sich gegenüber ihrer Muttersprache im schwedischen Exil?
Und was, wenn man erst alles zurücklassen muss, um seiner Muttersprache überhaupt ein Zuhause geben zu können? Die kurdische Diaspora in Schweden hat für die kurdische Sprache und Literatur Großes geleistet. Hier schufen kurdische Autorinnen und Autoren im Exil eine moderne kurdische Literatursprache. Hier entstand die erste Kurdische Bibliothek der Welt.
Fragen von Sprache und das Gefühl von Sprachlosigkeit spielen in Erfahrungen des Exils eine entscheidende Rolle. Die Autoren Aris Fioretos und Deniz Utlu verbinden im Gespräch mit Grit Thunemann die historischen Exilgeschichten mit jüngeren Erfahrungen von Sprache im Exil.
Die Veranstaltung entsteht in Kooperation mit der Schwedischen Botschaft und ist Teil der Reihe Embassies of Exile, in der das Exilmuseum mit Botschaftsvertretungen und Kulturinstitutionen weltweit zusammenarbeitet. Den Abend eröffnen Veronika Wand-Danielsson, Schwedische Botschafterin in Deutschland, und Christina Beinhoff, Sonderbeauftragte des Auswärtigen Amts.
Aris Fioretos ist ein schwedischer Schriftsteller griechisch-österreichischer Abstammung. Seine Werke sind in über ein Dutzend Sprachen übersetzt worden. Er schreibt regelmäßig im Feuilleton der größten schwedischen Tageszeitung Dagens Nyheter und hat zahlreiche Auszeichnungen erhalten, zuletzt den Essay-Preis der Schwedischen Akademie und das Bundesverdienstkreuz der Bundesrepublik Deutschland. Seit 2022 ist er Mitglied der Akademie der Künste, Berlin. Fioretos lebt und arbeitet in Stockholm und Griechenland.
Deniz Utlu ist ein deutscher Schriftsteller. Von 2003 bis 2014 gab er das Kultur- und Gesellschaftsmagazin freitext heraus. Von 2017 bis 2019 schrieb er für den Tagesspiegel die Kolumne Einträge ins Logbuch. Sein dritter Roman Vaters Meer (2023) wurde mit dem Sonderpreis des Literaturpreises der Europäischen Union ausgezeichnet. Utlu forscht am Deutschen Institut für Menschenrechte und veranstaltet am Maxim Gorki Theater die Literaturreihe Prosa der Verhältnisse. Für seine Arbeit wurde er vielfach ausgezeichnet, u. a. mit dem Alfred-Döblin-Preis und dem Literaturpreis der Landeshauptstadt Hannover. Er forscht zu den Erfahrungen der kurdischen Diaspora in Schweden.
Grit Thunemann arbeitet als Kulturreferentin und Dolmetscherin/Übersetzerin an der Schwedischen Botschaft in Berlin. Im Rahmen ihrer Tätigkeit stellt sie in Lesungen und Gesprächen mit Autorinnen und Autoren regelmäßig neue Literatur aus Schweden vor.